à propos Mode – Jean-Léon Gérôme…

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Künstler - artists / Kunstgeschichte - history of art
Jean-Léon Gérôme_the hookah lighter, 1898

Jean-Léon Gérôme_the hookah lighter, 1898, ⓒ Wikimedia

18-03-2013

Jean-Léon Gérôme

***

Zum Thema Mode in der Malerei würde ich gern noch einmal zurückkehren…

Vor allem zu den Dingen, die im Moment absolut unmodern sind.

So ist es zum Beispiel immer noch die akademische Malerei des 19. Jahrhunderts.

In dieser Kunstform, die damals umfangreich an den Akademien gelehrt wurde, ging es um die perfekte und zugleich selektive Wirklichkeitswahrnehmung. Also eine Form der Malerei, die unserem heutigen Fotorealismus nahesteht, aber gleichzeitig ein stark selektives, künstliches und ästhetisiertes Weltbild zeigte. Spätestens nach dem Durchbruch des Impressionismus sahen sich die Vertreter dieser Kunst weitgehend der Lächerlichkeit preisgegeben, was meist daran lag, daß die Szenen kleinteiligst allein im Atelier zusammengestellt wurden. Gleichgültig in welchem Kulturkreis oder in welcher Umgebung das Bildmotiv angesiedelt war. So kam es in der Komposition und im Bildaufbau oft zu Brüchen, die man sehr gut beobachten kann, betrachtet man zum Beispiel die „Schaumgeborene“ aus dieser Zeit von Alexandre Cabanel. Die Dame scheint dem Meer zu entsteigen und gleichzeitig kann man an den Kontaktflächen des Körpers mit dem Wasser deutlich sehen, daß hier keinerlei Kontakt stattgefunden hat. Ganz im Gegenteil, ich meine immer die Kanten des Podestes zu erahnen, auf dem das Aktmodell im Atelier des Malers platziert wurde und das der Künstler anschließend unter verschiedenen Schichten Blaus verschwinden ließ.

Nachdem die Öffentlichkeit die ersten impressionistischen Arbeiten verdaut hatte und sie nicht mehr als dilettantische Schmiererei mit Stockschlägen traktierte, empfand man plötzlich diese Art der Arbeit im Atelier als unnatürlich und lächerlich. Ebenso wie ihre Bildthemen, die oftmals der Mythologie entstammten. Diese Haltung hat sich bis weit ins 20 Jhd. in der Kunstrezeption erhalten. Und auch heute steht es um das Image dieser Arbeiten und ihrer Künstler nicht viel besser.

Heute möchte ich Euch einen von ihnen vorstellen – Jean-Léon Gérôme

Ich war auf der Suche nach einer seiner Arbeiten „love conquers all“, das ich leider nicht in entsprechender Auflösung gefunden habe… aber dabei habe ich mir ein wenig Zeit genommen, seine übrigen Werke zu betrachten…

… Und möchte Euch in den nächsten Tagen ein wenig mit seinem Werk alleine lassen. Vielleicht regt es den einen oder anderen an, wie mich, nochmals aus einer anderen Position über die Mode in der Kunst nachzudenken… Und Ihr könnt Euch selbst eine Meinung bilden, ob diese Arbeiten nun lächerlich sind oder nicht. Ich bin gespannt, was Ihr meint…

Denn, die Schönheit und die Bedeutung liegen noch immer im Auge des Betrachters…

Euch eine schöne Woche!

http://de.wikipedia.org/wiki/Akademische_Kunst

http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Léon_Gérôme

http://en.wikipedia.org/wiki/File:1863_Alexandre_Cabanel_-_The_Birth_of_Venus.jpg

Jean-Léon Gérôme_the hookah lighter, 1898

Jean-Léon Gérôme_the hookah lighter, 1898, ⓒ Wikimedia

The Author

Tanja Maria Ernst is a German-based artist - writes about her work

2 Comments

  1. Eine schöne Anregung zum Thema Kunst. Kunst wird m. E. immer im Bewusstsein geschaffen, die erkannte Realität und erkannte Gedankenwelt auf der Höhe der jeweiligen Zeit zu erschaffen, Es ist also die Auseinandersetzung des Künstlers mit der erkannten Realität, auch wenn diese hier akademisch war.
    Insofern ist hier der Begriff Mode etwas irritierend. Mode wird ja bewusst geschaffen, um für die aktuelle Zeit genutzt zu werden, dem Lebensgefühl in dieser Zeit einen Ausdruck zu verschaffen. Moden werden wiederbelebt – Retrolook – um bewusst dieses alte Lebensgefühl wieder zu beleben.
    Dies wird in der Kunst / Malerei sicher nicht der Fall sein, da die Erkenntnis über Realität mit jedem Werk voranschreitet und wächst. Insofern sind die Werke sicher nicht lächerlich, Ein solches Urteil steht uns mit dem Blick auf Vergangenes nicht zu.
    Einen schönen Abend.

    • Liebe Sabine, lieber Reinhard, danke für Euren Beitrag! Ich freue mich sehr darüber, daß Ihr Euch offensichtlich einen ganz neutralen Blick auf die Kunst bewahrt habt, gleichgültig welcher Epoche sie entstammt und welche Art der persönlichen Realität sie zeigt. Ich erlebe dies in meinem beruflichen Alltag oft ganz anders. Und ich glaube auch, wirkliche Kunst unterliegt nie der Mode, lediglich ihre Rezeption… Euch ein schönes Frühjahr im Garten und herzl. Grüße t

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