der Künstler in der Zeitmaschine…

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über die Arbeit - creative processes / Text - text
steampunker_ ⓒ Alexander Schlesier_ Wikimedia

steampunker_ ⓒ Alexander Schlesier_ Wikimedia

28-05-2013

… ich fürchte ich habe den Mund sehr voll genommen…

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Nach dem Interview mit Franziska Kümmerling war ich mir hundertprozentig sicher, daß der Künstler in der Zeitmaschine ein ausgesprochen faszinierendes und herausforderndes Thema ist. Ganz sicher! Die Überzeugung hielt, bis ich mir ihre mail nochmals ansah, die die Anregung bzgl. des Chronotopos von Bachtin, enthielt… Wenn Sie jetzt erst mal googlen müssen, tun Sie das gern… Ich mußte es auch…

Hm, dachte ich, komplex, schwierig, für mich unübersichtlich, theoretisch. Aber mit Sicherheit zu machen! Dann meldeten sich schon weitere Bedenken… Ich besuchte ein wenig You Tube, stieß auf den trailer dieses unglaublichen amerikanischen Films aus den 60er Jahren… „Die Zeitmaschine“ –  (Als Kind hatte ich immer Alpträume, wenn ich an diese Monster mit weißen Haaren und leeren Augen dachte…) Und dann kamen noch mehrere, neue Bedenken um die Ecke… 

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Eine kleine feste Stimme im Hinterkopf meldete sich zu Wort und fragte mich, ob es nicht allgemein und hinlänglich bekannt sei, daß Van Gogh Zeit seines Lebens nur ein Bild verkauft, sich später aus Verzweiflung ein Ohr abgeschnitten und erst Jahre später durch den Historiker Meier-Graefe Weltruhm und große Verkaufszahlen erlangt habe. Also eine Plattitüde, wenn auch ein Prototyp für den Künstler, der „seiner Zeit voraus ist“ oder war oder sei…

Ich versuche die Stimme zum Schweigen zu bringen. Sie beharrt weiter. Einen Artikel über Zeit zu schreiben, das fände sie ganz köstlich, so meint sie: ich hätte ja noch nicht einmal Einstein und seine Auffassung von Zeit und Raum verstanden…

Diese Spitze kann ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Ich gehe zurück auf YouTube und suche etwas, das sich anpreist wie „Einstein für Dummies“ – ich kann ja schlecht auf die Schnelle ein Physik Studium nachholen, oder?

Ich werde fündig und staune.

Ich staune wirklich. Was ich hier lerne, ist, daß das Verständnis, mit dem wir durch unseren Alltag wandern auf dem Stand von Isaac Newtons Weltsicht stehen geblieben zu sein scheint. (Kleiner Einwurf: der Mann lebte von 1642 – 1726). Und um kurz zur Kunst zurückzukehren: das wäre in etwa so, wie wenn ich behaupten würde, die Kunst ende mit Rembrandt. Welcher Irrsinn!

Warum ein Apfel, der sich vom Stengel löst, auf die Erde fällt, können wir schon seit Newton und durch ihn erklären. Was aber Raumzeit ist, davon, so stelle ich fest, habe ich keine Ahnung und ich fürchte viele andere außer mir auch nicht… Noch seltsamer, dieses Wissen hat bislang kaum Eingang gefunden in unsere tägliche Wahrnehmung. Wir begreifen die Objekte um uns herum immer noch als fest und greifbar, obwohl sie weitgehend aus sehr viel Raum und ganz wenig Teilchen bestehen. Wir können nur darum nicht mit einer Hand durch unseren Körper greifen, weil die Kräfte, die zwischen den Teilchen wirken, so groß sind. Das ist „alles“. Nicht etwa weil unser Körper aus festem Stoff bestünde… Und übrigens, auch die Teilchen sind keine Teilchen sondern Energiefelder, die sich mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit an bestimmten Orten aufhalten…

Die Lichtgeschwindigkeit, so lerne ich an diesem Mittag ist eine Konstante, gleichgültig, ob das Objekt, das das Licht aussendet, bewegt ist oder nicht. Ein verrückter Gedanke. Das Licht eines stehenden Taxis ist nicht langsamer, als das eines fahrenden. Einstein folgerte folgendes: da eine Zeitspanne eine Größe beschreibt, die zwischen zwei Ereignissen liegt, müsse sich hier der Raum im Verhältnis zur Zeit verändern. Um nicht alles, was wir über die Welt wissen, ad absurdum zu führen. Für Anfänger wie mich bedeutet dies einfach erklärt: führen wir durch eine amerikanische Großstadt mit Lichtgeschwindigkeit und wären wir in der Lage die Umgebung wahrzunehmen, würde wir sehen, wie sich die Gebäude entlang der Raumbiegung tunnelartig verformten!

Der Raum biegt sich, bis das Verhältnis zur Zeit wieder hergestellt ist. Oha…

Falls ich etwas falsch verstanden oder nicht richtige erklärt haben sollte: Beschwerden von Fachleuten bitte an mich. Nicht an Einstein oder Newton, auch nicht postum.

Albert Einstein_ ⓒ Oren Jack Turner_ Wikimedia

Albert Einstein_ ⓒ Oren Jack Turner_ Wikimedia

Einstein kreierte darüber hinaus ein völlig neues Bild des Raumes zwischen den Planeten des Universums. Sein Raum besteht nicht aus einem Nichts ohne jegliche Eigenschaft, sondern aus einem Raum mit sehr vielen Eigenschaften. Sein Raum gleicht einer flexiblen Gummimatte, in der die Planeten mit ihren schweren Massen Mulden hinterlassen. Und in diesen Mulden laufen dann die zugehörigen Himmelskörper auf ihren Umlaufbahnen. So auch der Mond um die Erde. Stellen Sie sich das Kügelchen in einer Roulette-Scheibe vor… violà.

Ich bin völlig platt. Nach seinem Verständnis ist die Zeit, ein künstliches, von Menschen geschaffenes Konstrukt. Das uns hilft z.B. die Spanne zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu benennen und zu bemessen. Was mich dann allerdings völlig verwirrt, ist die Tatsache, daß die Gesetze aus der Astrophysik mit denen aus der Quanten-Physik, also der Physik kleinster Teilchen nicht übereinstimmen. Hier wird es für mich vollständig verwirrend:

Physiker haben in den letzten Jahren mit Versuchsanordnungen gearbeitet, die zeigen, daß es Teilchen gibt, die gleichgültig wie weit sie voneinander entfernt sind, immer die gleichen Eigenschaften aufweisen. Eine sogenannte Teilchenverschränkung. Es gibt Versuche, die nahelegen, daß unsere Vorstellung der fassbaren Realität nur ein völlig unausreichendes Modell ist und es gibt Versuche die zeigen, daß ein und dasselbe Teilchen gleichzeitig an zwei Orten auftauchen kann. Seither beginnt sich unser alltäglicher Zeitbegriff, mit zugehörigen Termini wie „davor“ und „danach“, allmählich aufzulösen. Siehe auch Schrödingers Katze…

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Der Gedankenbehälter ist nun randvoll und ich muß mir an diesem Punkt eingestehen, ich besitze nicht annähernd das notwendige analytisch-mathematische oder physikalische Denken, um diese Dinge für mich „begreifbar“ zu machen…

WAS ich allerdings verstehe, nach meinem mittaglichen Ausflug, ist dies: wir leben mit unserem alltäglichen Verständnis von Zeit und Raum vergleichsweise immer noch im Klassizismus.

UND – die Zeit ist ein von Menschen geschaffenes Konstrukt, das in der Physik zwar als meßbare physikalische Größe gehandhabt wird, gleichzeitig aber wird das Fließen der Zeit unter Physikern als subjektives Phänomen oder gar als Illusion betrachtet. (Auch hier im Fall eines Irrtums bitte physikalische Beschwerden an mich). Alles klar? Ja, danke, bei mir auch…

Die Zeit unserer Alltagswahrnehmung dehnt oder verkürzt sich, oder sie hält an. Dies können wir alle aus unserer eigenen täglichen Erfahrung rekapitulieren. Die Zeit ist relativ. Ich fliege zum Beispiel das erste Mal in meinem Leben nach, sagen wir, in die USA. Ich lande in Atlanta. Ich kenne den Flughafen nicht. Hin wie zurück, werde ich einige Zeit brauchen, um mich zu orientieren und zurechtzufinden. Benötige ich dort einen Mietwagen, brauche ich noch länger, um mich durchzufragen. Ich besteige mein Auto und fahre ein Hotel an, das ich noch nie in meinem Leben besucht habe… Jeder von uns hat schon diese Erfahrung gemacht: die erste Woche des Urlaubes an einem bislang unbekannten Ort vergeht langsamer, viel langsamer, als die zweite oder dritte. Wie oft kommen wir nach einer kurzen Reise zurück und fühlen uns, als wäre wir einen Monat fort gewesen? Genauso umgekehrt. Ich bin schon aus Urlauben, an mir bereits vertrauten Orten, zurückgekommen, habe vielleicht auch noch einen Teil meiner Tage verbracht wie im Vorjahr, und fühle einen zeitlichen Abstand von vielleicht fünf Tagen. Gleichgültig, ob ich zwei oder drei Wochen fort war. Auch das Erholungserlebnis verhält sich hierzu meist proportional. Für meine Begleitung dagegen kann die gleiche Reise gefühlte 10 Tage gedauert haben. Das Zeiterlebnis ist für uns weder konstant, noch identisch. Auch dann nicht, wenn unsere Uhr unterwegs nicht stehen bleibt. Sehr seltsam, wie ich finde, das wäre in etwa so, als ob ein Kilo Brot heute mehr oder weniger wiegen würde, als am Vortag…

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Logarhitmic radial photo of the univers_ ⓒ Pablo Carlos Budassi _ Wikimedia

Logarhitmic radial photo of the univers_ ⓒ Pablo Carlos Budassi _ Wikimedia

Welchen Sinn macht es also über die Zeit zu schreiben? Sie existiert eigentlich nicht, außer in Abständen und in Verfallsprozessen, und jeder von uns nimmt sie anders war. Also frage ich mich: was meinen ich eigentlich, wenn ich sage, ein Künstler sei seiner Zeit voraus?

Die erste Frage ist, ob diese Feststellung jemals in der Gegenwart getroffen werden kann, oder ob sie nicht hauptsächlich rückwirkend auf ein Ereignis in der kunsthistorischen Vergangenheit angewendet wird. „Dieser Künstler war seiner Zeit voraus.“ Ein Künstler, der heute seine Zeit weit voraus ist, wird vermutlich wenig bis gar nicht wahrgenommen, weil die Dinge, mit denen er sich beschäftigt für das aktuelle Leben der Menschen keine, oder besser, noch keine Bedeutung haben. Insofern wird es eine solche Arbeit auch schwer haben, sich im Wettbewerb der optischen Sensationen durchzusetzen. Wir neigen dazu, eine Arbeit, erst dann als Kunst zu bewerten, wenn sie in meiner oder in der Wahrnehmung der Gesellschaft angekommen ist. Habe ich mich noch nicht daran gewöhnt, daß Kunst heute SO aussieht, wie z.B. die Arbeiten eines Herrn Bisky oder eines Herrn Doig, dann werde ich diese Arbeiten nicht als Kunst verstehen. Dann werde ich weiterhin meiner Liebe und meinem Verständnis z.B. von Picasso oder Matisse treu bleiben. Dann sagen wir : „das ist wirkliche Kunst“. Das einzig „wirkliche“ daran ist, daß wir Zeit hatten uns daran zu gewöhnen…

Ich glaube, die Annahme, daß es zeitaktuell keine zeitvorausschauende Kunst gibt, weil sie nicht wahrgenommen wird, wäre eine plausible Erklärung für die enorme Vorliebe des Begriffs der Innovation in unserer gegenwärtigen Kunstrezeption. Verstehe ich eine Arbeit nicht, wittert der geübte Kritiker die Möglichkeit, daß diese Arbeit ihrer Zeit „voraus“ sei. Es ist etwas „Neues“, was den Filter der Sehgewohnheiten noch nicht passiert hat. Wie wenig dieses Kriterium allerdings über die wirkliche Qualität einer Arbeit aussagt, ging mir kürzlich im Gespräch mit einem Freund auf, der sich im Kunsthandel und in der Kunst des 18. und 19. Jhds. sehr gut auskennt. Er machte mich auf die Tatsache aufmerksam, daß längst nicht jeder Kunstpionier seiner Zeit, auch für diese Errungenschaften gewürdigt wurde und auch mit diesen Errungenschaften nicht automatisch in der Kunsthistorie der Wahrnehmung angekommen sei. Er erzählte mir von einem Vorgänger de Chiricos (der mir bislang als Wegbereiter des Surrealismus bekannt war). Dieser „Andere“, sei in seinem qualitativen Schaffen de Chirico mindestens ebenbürtig gewesen, und hätte schon vor diesem neue Bildräume auf der Leinwand erschlossen. Sein Name ist heute so wenig bekannt, daß er mir auch schon wieder entfallen ist. (Ich werde bei meinem Freund nochmals nachfragen müssen…) Als ich darüber nachdachte, fand ich, daß ich ähnliche Berichte schon aus der Welt der Wissenschaften und der Erfindungen gehört hatte. Viele Erfindungen wurden zeitlich viel früher und oft von anderen Personen erdacht, als sie später gebaut und im großem Stil vermarktet wurden. Aus einem einfachen Grund: die ursprünglichen Erfinder waren oft weniger gute Geschäftsleute und nicht in der Lage Financiers für ihre Produkte zu finden. Mit dem Kollegen und Freund de Chiricos hat es sich wohl ähnlich verhalten. Er gab sein Wissen an de Chirico weiter und versank im Rauschen der Zeitgeschichte…

So frage ich mich. Was bleibt am Ende selbst in den Geschichtsbüchern? Die Qualität der Arbeit oder die Qualität der Aufmerksamkeit? Macht es aus dieser Sicht überhaupt Sinn weiterhin über Größen wie Innovation nachzudenken? Rückwirkend unter diesem Suchbegriff in den Geschichtsbüchern zu lesen, macht für mich so jedenfalls keinen Sinn mehr. Was dort angekommen ist, ist eine Auswahl. Und auf welcher Basis diese getroffen wurde, darüber darf weiter spekuliert werden…

Was, so frage ich mich nun, schätzen wir mehr? Die Innovation einer künstlerischen Arbeit oder eine anders gelagerte Qualität.

Vor allem bei zeitgenössischen Arbeiten versagen ja meist alle Maßstäbe der Einschätzung, die uns die Kunstgeschichte lehren könnte. Handelt es sich wirklich um Innovation, muß sich die Arbeit dann zwangsläufig unserem Verständnis entziehen? Was aber wiederum bedeuten würde, daß wir Kunst allein mit unserem in Kategorien denkenden Verstand wahrnehmen und einordnen würden. Was aber bei genauerer Betrachtung die wenigsten von uns tun. In den letzten Jahren meiner beruflichen Tätigkeit habe ich EINEN Satz vermutlich am meisten gehört: „ich versteh ja nichts davon, aber diese Arbeit gefällt mir / sie gefällt mir nicht.“

Diesen Satz höre ich von Ausstellungsbesuchern am häufigsten. Was mir damit gesagt werden soll ist folgendes: „ ich denke nicht in kunsthistorischen Kategorien, da ich meine nichts davon zu verstehen. Aber ich beurteile diese Arbeit aufgrund meiner Sinneseindrücke. Ich mag sie oder ich mag sie nicht. Sprich ich nehme sie emotional wahr. Dazu gehört die Raumpräsenz einer Arbeit, ihre Farbwirkung, die Stimmung, die sie beim Betrachter auslöst. Vielleicht löst sie im Betrachter für ihn so interessante Reaktionen aus, daß er sich vorstellen kann sie täglich um sich zu haben…

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In meiner Arbeit spielt die Wahrnehmung der Zeit an zwei Stellen eine entscheidende Rolle. Wenn sie sich beim Arbeiten auflöst, weiß ich, ich bin im laufenden Prozeß angekommen. Und wenn ich später feststelle, daß ich zur Fertigstellung einer Arbeit mehr als ein Jahr gebraucht habe, weiß ich, daß ich dafür, in nächster Zukunft, keinen adäquaten Preis werde verlangen können…

Scherz beiseite: … trotz allem kenne ich, genauso sicher wie viele Kollegen, den sogenannten „siebten Sinn“, der mir sagt, dieser Ansatz ist wichtig oder dieses Thema solltest du weiterverfolgen. Der siebte Sinn, dem wir folgen, weißt immer nach „vorn“, in die Zukunft.

Wie sehr wir uns als Künstler irren können, oder auch nicht,  folgen wir unserem siebten Sinn, sieht man an den folgenden wunderbaren Beispielen aus dem 19. Jahrhundert:

Wal-Bus_Frankreich im Jahr 2000 _ ⓒ Jean Marc Cote, 1899_ Wikimedia

Wal-Bus_Frankreich im Jahr 2000 _ ⓒ Jean Marc Cote, 1899_ Wikimedia

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Informationen und Quellen:

*** zum aktuellen Stand der Dinge:

da die Rechtslage bzgl. des Einbinden von Videos über You Tube nach wie vor nicht geklärt ist und der Bereitsteller eines links für Copyright Verletzungen ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden kann, verzichte ich ab heute schweren Herzens darauf. Was ich vermutlich in Zukunft tun kann, ist die zugehörigen Suchbegriffe für You Tube anzugeben.

Titelbild: Detail aus dem Stundenbuch des Duc du Berry_ ⓒ Wikimedia

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/241089.html

http://www.mpg.de/502772/pressemitteilung20051006

http://de.wikipedia.org/wiki/Zeit

http://de.wikipedia.org/wiki/Schrödingers_Katze

http://de.wikipedia.org/wiki/Giorgio_de_Chirico

http://de.wikipedia.org/wiki/Très_Riches_Heures

http://steampunker.de/kuenstler/#.UaYNC5Usw18

The Author

Tanja Maria Ernst is a German-based artist - she writes about her work an inspirations.

8 Comments

  1. Das ist ja schon fast unheimlich, was Du Dir an einem Vormittag alles angelesen hast. Mir raucht nach einmaligem Lesen Deines Artikels schon der Kopf. Wenn ich mir dann vorstelle, mich stundenlang mit diesem sehr komplexen Thema auseinandersetzen zu müssen … ich glaub, ich werde alt …

    Ich geh dann mal weiterlesen. Jetzt hab ich endlich mal Zeit und Ruhe dazu ;)

  2. Hallo Tanja! Mensch, das alles an einem Vormittag. Chapeau! Die Frage nach Raum und Zeit, damit kann ein ganzes Leben zugebracht werden. Ich glaube ja, dass ein Künstler insofern eine Zeitmaschine ist, als dass er uns heute zeigen kann, was vielleicht erst später gesehen – sprich: wahrgenommen – werden kann. Bachtin ist mir mit seinem Chronotopos als Beschreibungskategorie eingefallen. Chronotopoi sind Zeit-Räume, d.h. Räume mit einer spezifischen Zeitlichkeit. Eigentlich aus der Literaturtheorie, kann bsw. eine Türschwelle sowas darstellen. Zurück zum Künstler: Vorweg nehmen kann er nur etwas, dass später so ein- oder zutreffen wird. Das ist eine Frage der Geschichte und ihres Verlaufs. Was ein Künstler aber immer kann, ist Raum und Zeit zu ändern, zu dehnen, zu straffen usw. Bloßes Abbilden war vielleicht mal, ist heute doch aber keine Kunst mehr… Oder? Und ob und wann er, der Künstler, den Zeitgeist trifft, sei dahingestellt. Muss er ja auch gar nicht. Lebt sich bestimmt nur etwas komfortabler als ‚bereits verstandener oder erkannter‘ Künstler. ;)

    • Liebe Franziska, herzlichen Dank Dir für den Anstoß. Über die Möglichkeit, daß ein Künstler Zeit und Raum strafft oder dehnt muß ich noch mal länger nachdenken… schöne Woche & liebe Grüße t

  3. Hallo Tanja Maria!
    Ich kann erahnen, welche Mühen in diesem Artikel stecken. Toll!
    Ich selbst werde wohl mit einem einmaligen Lesen, was das Verständnis anbelangt, nicht auskommen. Danke für den inhaltlichen Anstupser.
    LG Juergen

    • Lieber Jürgen, ein Lob von Kollegen freut mich immer besonders! Schön, wenn man im eigenen Hirn auf neue Flure stößt – so gehts mir auch immer ;-) lg t

  4. Wie ich lesen kann, hast du da wirklich einiges an Wissen nachgeholt. Es gibt wirklich viel verständlich Vorgetragenes auf You Tube wenn man sucht. Wenn man wie bei uns den Radiosender Ö1 hört, dann wird man fast täglich mit altem und neuen Wissen versorgt. Ich habe kein Fernsehen und nütze das täglich. Meine Hochachtung, dass du dir dann die Mühe nimmst und so viel in einem Text verpackst. Schön.

    • Lieben Dank! Bei uns gibt es etwas ähnliches auf Klassik Radio. Dreimal täglich gibt es die „wahre Geschichte“ ein Stück Zeitgeschichte in eine Erzählung verpackt – bis zum nächsten Tag raten die Hörer, um wen es sich handelt… Die Frage ob Fernsehen oder Radio finde ich berechtigt… lg t

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