making of 02

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über die Arbeit - creative processes / Fotografie - photography / große Vorbilder - colleagues I adore / Text - text
ⓒ_ Tanja Maria Ernst

ⓒ_ Tanja Maria Ernst

14-07-2013

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Am letzten Wochenende,

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irgendwo auf der Autobahn, kurz hinter Rheinau-Buch, hatte ich plötzlich ein Bild vor Augen, wie ich genau hier, ein paar hundert Meter links vom Fahrbahnrand, ganz allein auf einer hohen Leiter stehe, mitten in einer nahezu endlos-grünen Wiese und das Gussmodell eines römischen Kastells ablichte. Beinahe ein surreales Gemälde…

Und bei dieser Gelegenheit fiel mir ein, daß es höchst unwahrscheinlich sei, ein ehrliches „making of“ zu schreiben, ohne von all den Jobs zu berichten, die ich in meiner Zeit als Student und später als Künstler übernahm. Und von den Häutungsprozessen der Professionalisierung…

Vor einigen Jahren hörte ich, daß die Künstlerin und Hochschulprofessorin Karin Kneffel ihren Studenten angeblich sagte, die Ausbildung zum bildenden Künstler, sei nicht zwangsläufig dazu gedacht, seinen Lebensunterhalt mit ihr zu verdienen. Und so ist es. Alle Kunstjournalisten und Kritiker in Deutschland schreiben gern und regelmäßig, daß sich angeblich nur 5% der Künstler in Deutschland von ihren eigenen Werken ernähren könne. (Von einem durchschnittlichen Jahresgehalt von ca. 34.000 Euro, laut Sozialversicherung, sind wir da immer noch weit entfernt.) Der Rest versteht sich aufs Improvisieren…

Die Liste meiner Jobs, die ich in den letzten Jahren meiner Tätigkeit angenommen habe, liest sich lustig, wie die Liste eines Commedy-Abends. Ich stand schon in einem Lädchen für Dessous, um mich als Modell für C-Körbchen zu bewerben, ich habe Schmuck angefertigt und verkauft, Weihnachtseinkäufe verpackt, Nachhilfe und Unterricht gegeben, habe Aufträge für Stuhlreparaturen entgegengenommen, Museen beliefert und Dirndl verkauft, Sofadecken, Geschirr und beleuchtete Weihnachtsrentiere angepriesen, wurde nach Logos und Werbetexten gefragt, habe Schaufenster dekoriert und Gärten gepflegt…

Und schlussendlich male ich immer noch und hauptsächlich, mache immer noch Kunst… Was vielleicht, ganz allein schon, an der sehr klugen Beobachtung, einer sehr reizenden und mitfühlenden Amerikanerin liegt: schon Julia Cameron machte weitsichtig und klug, in einem ihrer Bücher, darauf aufmerksam, daß DER Künstler, der, allein in seinem hochprofessionellen Loft, sich allein und ausschließlich der Kunst widme, bald seine Arbeit röchelnd und sich in Todesqualen windend, am Boden seines Ateliers, vorfinden werde. Denn die Kunst braucht das Leben und den Austausch. Ich nehmen es ein und atmen es aus und erst dann fließt es ein, in meine Arbeit. Läßt mich erlebte Gefühle und Ereignisse wiederkäuen und wiedergeben. Das Leben besteht aus Geschichten – und so auch meine Kunst.

Und ich glaube, bis heute fest daran, daß es nicht einen Job, oder eine Gelegenheit gegeben hat, bei der ich nicht auch etwas sehr Wesentliches für meinen Hauptberuf gelernt hätte. (In diesem Sinne vielen Dank an Amanda Palmer und ihren TED-Beitrag. Sie erst hat mir gezeigt, daß man auch auf Dinge stolz sein kann, die andere nur seltsam oder als „freakig“ befinden…) So sammeln wir Erfahrungen und professionalisieren uns, auch im menschlichen Miteinander, über die Jahre.

Und genau dasselbe erlebe ich im Moment wieder mit meinem blog. Einige werden vermutlich in den letzten Tagen enttäuscht in den Archiven vergangener Monate nach Artikeln gesucht haben, die sie nicht mehr finden konnten. Ja, tanjamaria.e hat sich verändert. Ich habe die letzten Wochen genutzt um meine Beiträge nach Copyrightrichtlinien zu „säubern“. Als Künstler sollten wir uns eigentlich nie dazu hinreißen lassen, die Urheberrechter unserer kreativen Kollegen zu verletzen, oder mit dem geistigen Eigentum anderer, unsere eigenen „vier Wände“ aufzuhübschen. Auch nicht aus Unwissenheit… (Von saftigen Geldbußen einmal ganz abgesehen). Die letzten Wochen habe ich viel mit Lesen verbracht und möchte nun einen neuen Kurs einschlagen…

Kurz dachte ich daran, die Artikel alle nach „creative commons“ Richtlinien zu bereinigen und ins Daten Regal zurückzustellen. Doch die Zeit, die ich benötigte, verwende ich nun lieber auf neue Artikel und Beiträge. Denn das Thema Zeitmanagement ist offensichtlich im Moment eines der nächsten Themen auf meiner „to do“ Liste der Professionalisierung. Da es im Hier und Jetzt wirklich gute Neuigkeiten gibt, die mich ermahnen, mit meiner Zeit in Zukunft klug zu haushalten:

Ab Oktober 2013 habe ich eine neue Galerievertretung in Frankfurt a.M. und am 02. Oktober werde ich dort auch schon mit einer Einzelausstellung beschenkt…

daher ist ab heute jeden Donnerstag Blogtag.

Weitere Details folgen in Kürze. In jedem Fall, könnt Ihr Euch vielleicht vorstellen, was hier derzeit los ist … neben der Freude. Es gibt sehr viel Arbeit. Daher habe ich mich dazu durchgerungen Euch nur noch einmal in der Woche mit Neuigkeiten zu versorgen.

Mehr ist im Moment leider nicht zu schaffen. Trotzdem werde ich meinen Artikelreihen und Gedankengängen die Treue halten, nicht nur, weil es sich als äußerst konstruktiv im Bezug auf meine Arbeit erwiesen hat, sondern, weil es mir auch großen Spaß macht, meinen Gedanken mit Euch zu teilen und Euch in den Prozess mit einzubinden. Meinen herzlichen Dank an alle die so treu und regelmäßig vorbeischauen. Und auch hier ein offenes Bloggerwort zur rechten Stunde:

Ganz herzlichen Dank an alle, die mich abonniert haben, mich abonnieren oder vorhaben mich zu abonnieren. Jede einzelne Buchung macht mich froh und bestärkt mich in meiner Arbeit fortzufahren! Herzlichen Dank an Euch alle! Allerdings hatte ich mit solcher Resonanz rein gar nicht gerechnet und ich fühle mich schon seit geraumer Zeit außer Stande überall Gegenbesuche abzustatten. Also bitte, liebe Leser, nicht böse sein, wenn ich fern bleibe, oder auch länger nicht von mir hören lasse. Immer dran denken: meine tatsächliche Arbeit findet im Atelier statt und dieser Blog muß sich nun eindeutig dem Gedanken der Nützlichkeit unterwerfen. Danke für Euer Verständnis!

Für die zweite Jahreshälfte sind in jedem Fall alle sehr herzlich eingeladen, sich zwei Termine im Kalender zu notieren, den 02. Oktober in Frankfurt und den 16. November 2013 in Stuttgart. Nähere Informationen zu beiden Ausstellungen gibt es auf homepage und blog, in Kürze. In jedem Fall freue ich sehr wenn Sie/Ihr Zeit und Lust habt vorbeizuschauen.

In diesem Sinne starten wir nächsten Donnerstag mit dem versprochenen Thema „Utopia“ und bis dahin wünsche ich Euch & Ihnen alles Gute, schöne Sonnentage und viel Inspiration.

Mit herzlichen Grüßen tanjamaria.e 

P.S.: den Abschnitt Quellen und Informationen möchte ich heute allen besonders ans Herz legen, die ebenfalls zu Copyright Status, creative commomns, social media und Recht im Netz, begonnen haben zu recherchieren. Für Eure Informationen hierzu bin ich ebenfalls jederzeit dankbar…

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Quellen und Informationen –

die Künstler:

die Künstlerin Karin Kneffel:

http://www.kneffel.de

 

Die Brotberufe großer Künstler der klassischen Moderne:

http://www.derberater.de/genuss-lebensart/reise-kultur/kunst/brotlose-kunst-wovon-lebt-eigentlich-ein-kunstler.htm

Eine Amerikanerin schreibt über die Überwindung künstlerischer Blockaden:

http://juliacameronlive.com

Amanda Pamer – the art of asking:

http://www.ted.com/search?cat=ss_all&q=Amanda+Palmer

social media und Rechte:

Eine der zentralen Fragen im Netz und zum Thema Nutzungsrechte ist nach wie vor die Frage, wann ist ein Blog ein kommerzieller Blog? Denn nach diesem Kriterium sind dann auch die zu „rebloggenden“ Inhalte auszusuchen, will man nicht riskieren, mit saftigen Strafen abgemahnt zu werden. Denn der höfliche Hinweis, man möge sich per mail melden, falls man sich in seinen Urheberrechten verletzt fühlt, schützt keineswegs. Wie heißt es schon immer: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Eine Künstlerkollegin findet ihre Bilder ungewollt und unbezahlt auf Pinterest wieder:

http://playamart.wordpress.com/2013/07/07/right-clicking-images-from-websites-pinterest-and-google/

Eine Blogkollegin berichtet von Ihrem Ärger mit Urheberrechtsverletzungen:

http://www.blogher.com/bloggers-beware-you-can-get-sued-using-photos-your-blog-my-story

Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt:

http://irights.info

Kommerzielle und redaktionelle Nutzung kostenloser Bilddatenbanken:

http://www.saxoprint.de/blog/kostenlose-bilddatenbanken/

http://www.sugarraybanister.de/genereller-output/creative-commons-und-die-kommerzielle-nutzung-der-anderen

creative commons Lizenzen jetzt auch auf you tube und vimeo:

http://www.youtube.com/creativecommons

http://www.heise.de/open/meldung/Vier-Millionen-Creative-Commons-Videos-auf-Youtube-1652818.html

http://vimeo.com/creativecommons

Information über creative commons:

http://creativecommons.org

Information über die VG Bildkunst:

http://www.bildkunst.de/index.html

Titelbild – ⒸTanja Maria Ernst

The Author

Tanja Maria Ernst is a German-based artist - writes about her work

19 Comments

  1. Suschna says

    Vielen Dank für all die Gedanken und Links. In meinem Blog halte ich mich ziemlich sklavisch daran, nur meine eigenen Bilder oder „freie“ Bilder zu benutzen. Das ist sehr einschränkend, was ich inzwischen aber auch als positiv sehe – man verzettelt sich nicht so. Sonst würde ich gern alles mögliche, z.B. Werke anderer, zeigen und loben. Aber das vorher um Erlaubnis fragen ist mir zu aufwändig und unspontan.
    Bei Pinterest sind auch einige meiner Bilder aus dem Blog unterwegs, teils mit Verlinkung oder Namensnennung, teils ohne. Kurios: Einer meiner Quilts wurde einer amerikanischen Textilkünstlerin zugeschrieben. Sie findet das glaube ich nicht schlimm. Mit Amerikanerinnen habe ich schon mehrmals die Erfahrung gemacht, dass sie den Werbeeffekt von Pinterest und Co. viel wichtiger finden als ihr Copyright. Sie bekommen so viel Aufmerksamkeit durch solche Bildersammlungen, dass sie sich über eine weite Verbreitung freuen. Ich sehe das eher mit gemischten Gefühlen.
    Glückwunsch zur Galerie und Ausstellung! So läßt es sich doch viel ruhiger arbeiten.

    • Liebe Suschna, dank Dir für die lieben Glückwünsche und Gedanken. Ja, ich empfinde es auch als einschränkend, nur auf eigene Beiträge angewiesen zu sein. Vor allem, da meine Arbeit so GAR NICHT funktioniert. Keine unserer Arbeiten startet doch auf einem „weißen Blatt Papier“. Wir alle bauen doch auch Dingen auf, die wir gesehen haben und die uns gefallen. Für mich funktioniert jede Form von Kreativität wie ein Setzkasten… Und gerade darum ist es eine schöne Vorstellung, daß es in den USA anders sein könnte… Dort ist aber auch die Einstellung zum Künstlerdasein gesamt lockerer… Hier kann man nicht malen und gleichzeitig Teppiche knüpfen, wenn man als bildender Künstler auf Museums-Niveau ernst genommen werden will. Die deutsche Welt ist manchmal etwas schmal gebaut… Und unsere Begriffe von Qualität fraglich…
      Ich habe mich entschlossen, den Weg über den Kontakt zu gehen. Ich arbeite sowieso oft im Voraus… So ist es kein Problem, andere Künstler um Erlaubnis zu bitten, ihre Arbeiten zeigen zu dürfen… Und – man lernt eine Menge neuer netter Leute kennen! Schöne Woche & lg t

      • Suschna says

        Ja, für die Arts/Crafts-Vermischung beneide ich die Künstler in den USA sehr. Seit Jahren hoffe ich, dass es hier auch lockerer wird, aber es sieht nicht danach aus.

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