bei der Arbeit 02 – at work 02

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aus dem Atelier - my work / Ausstellungen - exhibitions / über die Arbeit - creative processes / Messe - art fairs

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atelierDue to preparations for the art fair in Karlsruhe -I apologise for not having time to do translations.

Tatsächlich hat sich mein Arbeitsprozess mit der Umstellung auf Aquarellfarben stark gewandelt. Baut man eine Arbeit in Öl oder Acryl meist vom Dunkeln ins Helle auf – ähnlich der Technik der alten Meister – verläuft der Aufbau einer Aquarellarbeit genau umgekehrt – von Hell nach Dunkel. Wobei die hellen Stellen ausgespart werden und hierbei keinerlei Korrekturmöglichkeiten vorhanden sind. Als ich noch zu Schulzeiten einen Vortrag über Leben und Werk von Max Liebermann halten mußte, stolperte ich über Hinweise, daß er angeblich Stücke von mehreren Zentimetern Dicke aus den durchgetrockneten Farbschichten seiner Ölbilder schnitt und diese später, zu Korrekturzwecken, wieder mit Farbe verfüllte. Auch in einem Neo Rauch Katalog, den ich kürzlich in Baden Baden erstanden habe, kann man sehen, wie der Künstler mit dem Hintergrund seiner Bilder beginnt und sich Stück für Stück in den Vordergrund arbeitet. Diese Herangehensweise erinnert eher an einen Michelangelo, von dem man sagte, daß er die fertig Plastik im Marmorblock sehen konnte und diese im Arbeitsprozess „lediglich“ herausschälte.

Das Aquarell gleicht eher dem Marmor.  Das Papier als Material verzeiht kaum oder keine Fehler und ein Zuviel an Farbe kann kaum mehr rückgängig gemacht werden. Das Aussparen der Weißflächen erfordert Fingerspitzengefühl. Manche Kollegen arbeiten mit Masken oder Maskierflüssigkeiten – ich arbeite um die Weißflächen herum. Um das Papier zu schonen. Auch nach drei bis fünf Lavierungen – also stark wässrigen Frabaufträgen – streikt meist das Papier. Selbst teure Sorten haben eine natürliche „Schmerzgrenze“. Vor allem bei satiniertem Papier – also heiß gepresstem – mit dem ich sehr gern arbeite, beginnt die Einschränkung der technischen Möglichkeiten schon mit dem ersten Farbauftrag: nachdem das Papier sorgfältig genäßt wurde, saugt sich die Faser des Papiers voll und stellt sich auf. Die Oberfläche wird rauher und damit etwas schwieriger zu bearbeiten.

Wer mit Papier arbeitet sollte sich natürlich auch ein paar Gedanken zu konservatorischen Fragen machen. Daher ein paar Worte zu Papierqualtitäten.  Neben den unterschiedlichen Oberflächen spielt die Normierung unter archivalischen Gesichtspunkten eine wichtige Rolle. Das von mir gewählte Papier entspricht der ISO-Norm 9706, ist säurefrei und ohne optische Aufheller. (Das Fehlen optischer Aufheller ist wichtig, da diese meist aus fluoriszierenden Pigmenten bestehen, die mit der Zeit stark ausbleichen oder gilben und daher die Papierqualität deutlich einschränken können.)

Die DIN EN ISO 9706:2010

„Nach einer langen Diskussionsphase hat der Arbeitsausschuss 14 „Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken“ des „Normenausschusses Bibliotheks- und Dokumentationswesen“ (NABD) – gegen teilweise heftige Widerstände –  eine Norm für Papiere, als deutsche Norm übernommen –  das den Anforderungen der Archive und Bibliotheken auf unbegrenzte Alterungsbeständigkeit genügt – die DIN EN ISO 9706 .

Wenn papierbasierte Medien den Anforderungen dieser Norm entsprechen, tragen sie den Eindruck „Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier gemäß DIN ISO 9706“. Die DIN 9706 wird daher auch als Norm zur Prävention in der Bestandserhaltung beschrieben: Papiermedien, die den Anforderungen der Norm entsprechen, müssen bei sachgerechter Magazinierung weder entsäuert, gepuffert noch gefestigt werden. Für alle anderen Papiermedien müssen bei Säurefraß die üblichen Massenverfahren der Bestandserhaltung zum Einsatz kommen“.

Das beste Papier allerdings nützt wenig, wenn die Farben und alle weiteren verwendeten Materialien nicht denselben Standards entsprechen. Zu den Farben bei Gelegenheit mehr. Da ich meine Papiere seit Ende letzten Jahres fest auf 4 – 5 cm tiefe Holzrahmen aufziehe, ist es auch wichtig Metallklammern für Schussgeräte zu verwenden, die rostfrei sind und den Anforderungen von Restauratoren entsprechen.

Wer sich schon einen Vorgeschmack auf die Messe in Karlsruhe gönnen möchte kann dies hier tun:

http://www.art-karlsruhe.de/de/home/homepage.jsp .

– Herzliche Grüße tanjamaria.e

The Author

Tanja Maria Ernst is a German-based artist - writes about her work

4 Comments

  1. Danke für den interessanten Text. Ich habe eine Bekannte hier, die arbeitet derzeit nur mit Acryl. Dabei arbeitet sie mit mehreren Farbschichten. Bei jeder neuen scheint die alte Schicht etwas durch. So lange, bis das rauskommt, was sie erwartet hat. Vielleicht bis 10 Schichten, und sie geht davon aus, alle vorherigen Schichten haben auch einen Einfluss auf die oberste Schicht.

    • Lieber Karlheinz, wie schön wieder von Dir zu hören! Ich hoffe, es geht Dir gut! In der Tat kann man Acrylfarben genauso behandeln, wie Aquarell – sprich sie so weit verdünnen, bis man sie in lasierenden Schichten verarbeiten kann. Darüberhinaus haben sie den Vorteil, daß einmal durchgetrocknete Schichten nicht wieder abgelöst werden können. So kann man tatsächlich feinste Farbabstufungen über Unmengen von Schichten erzielen. Der einzige Wermutstropfen – die Alterungsbeständigkeit von Kunststoffen wird im allgemeinen wohl stark überschätzt – wie ich inzwischen in einigen Gesprächen mit Restauratoren in Erfahrung gebracht habe…. Also doch lieber zurück zu den guten alten Naturmaterialien. Zudem hat Aquarell eine weitere sehr schöne Eigenschaft – die Farben können wunderbar naß in naß – fließend – vermalt werden – was je nach Grundierung bei Acryl durchaus ein Problem sein kann… Tatsächlich ist die Reflexion des Lichtes eine ganz andere, wenn eine Arbeit in Schichten aufgebaut wird – was dem Physiker unter dem begriff Interferenz bekannt ist… Das wäre auch ein abendfüllendes Thema: http://m.schuelerlexikon.de/phy_abi2011/Interferenz_an_duennen_Schichten.htm :) lg t

    • Liebe Ann Christina, vielen Dank für Deinen begeisterten und langen Besuch :) Freut mich, wenn Du etwas gefunden hast, das Dir gefällt & Dich inspiriert! Ja, mit der Arbeit für die Kunstmesse, wird das wohl so eine Dalli-Klick Nummer :) Ich bin auch gespannt – solange der Prozess noch läuft, ist man doch manchmal nervös :) Schönes Wochenende und herzliche Grüße t

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