Eitempera 02

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Künstler - artists / Kunstgeschichte - history of art

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… historische Beispiele …

 

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Ebenso wie das Beispiel von letzter Woche zeigt diese Arbeit von Davide Ghirlandaio, einem Maler und Mosaikkünstler aus Florenz, die typischen Eigenschaften der Eitempera. Die Temepra ist von ihrer Natur aus spröder als der Farbauftrag in Öl oder Acryl und eignet sich daher angeblich besser für die Verarbeitung auf Holztafeln. Trotz allem gibt es zahlreiche Beispiele in der Kunstgeschichte, in denen Tempera auf Leinwand verarbeitet wurde. Nicht zuletzt von so bekannten Malern wie Arnold Böcklin. Zu dessen Technik aber vermutlich noch zwei oder drei Worte zu sagen wären – doch dazu später.

Zunächst einmal widersetzt sich die Eitempera einem pastosen und deckenden Farbauftrag. Weiche und fließende Übergänge, wie wir sie aus der Ölmalerei kennen sind deutlich schwieriger zu gestalten, da die Farbe die Eigenschaft hat, je nach Rezeptur, schnell aufzutrocknen. Weiche Tiefen und Bewegungsunschärfe, wie sie in zeitgenössischen Gemälden, zum Beispiel von Gerhard Richter angewendet wird, ist nicht ihre Stärke. Tempera ist zudem, je nach Pigment, schlecht deckend. Und sollte, um ihre volle Schönheit zu entfalten wenig gemischt werden. Die reinen Pigmente ergeben farblich die besten Ergebnisse. Was man in der oberen Detailabbildung mit der Mundpartie sehr schön erkennen kann. Das Gesicht besteht aus einzelnen sehr feinen Pinselstrichen. In Braun-, Rose-, Grün- und Goldtönen, sowie Weißhöhungen. Der Effekt für das Auge ist ein ähnlicher, wie im Impressionismus, oder Pointillismus. Das Auge addiert die Töne selbstständig auf. Entfernt sich der Betrachter vom Bild schließen sich die feinen Lagen zu einer optischen Einheit. Wie man sehr schön sehen kann, wenn man das Portrait gesamt in kleinem Maßstab betrachtet.

Botticelli-primavera_detail04

Trotz allem tendiert die Arbeit oft zu einer inneren Unruhe und zeigt mehr „Kanten“ als eine Arbeit in Öl. Die Stärke der Tempera liegt in der Schichtung. Links noch ein Beispiel von Sandro Botticelli. Die Transparenz eines Schleiers erhält in Tempera eine unvergleichliche Schönheit.


 

 

In diesem Sinne – mit herzlichen Grüßen – tanjamaria.e

Davide Ghirlandaio, 1452 – 1525, „Selvaggia Sassetti“ – 1487, Tempera auf Holz, Metropolitan Museum of Art, CC Lizenz Wikimedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Pointillismus


 

The Author

Tanja Maria Ernst is a German-based artist - writes about her work

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