Eitempera 04

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Künstler - artists / Kunstgeschichte - history of art

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… historische Beispiele …

 

Heute ein Beispiel von Sandro Botticelli. Die Uffizien geben hier Leinwand als Malgrund an. Links das gesamte Bild in einer kleinen Abbildung. Am Ende des Artikels ein schlechtes Foto eines unbekannten Fotografen aus dem Wikimedia-Kontingent mit CC-Lizenz.

So schlecht die Fotografie ist, zeigt sich doch einige sehr interessante Details. Zunächst fällt mir ins Auge: die Oberfläche spiegelt. Obwohl das angegebene Material hier Tempera auf Leinwand ist. Natürlich weiß ich nicht, wie oft die Arbeit im Laufe der Jahrhunderte restauriert und überarbeitet worden ist. Doch selbst wenn Botticelli diese Oberfläche selbst nicht aufgebracht hat, bleibt es eine interessante Tatsache. Tempera scheint vielen heutzutage wenig attraktiv, da ihre Oberfläche dazu neigt matt aufzutrocknen und damit ein Stück der Tiefenwirkung verliert. (Manche Ölgemälde dagegen, haben eine so speckige und stark reflektierende Oberfläche, daß auch hier dem Betrachter räumliche Tiefenwirkung verloren geht.) Ich habe vor Jahren in einem Kurs an der Hochschule gelernt, daß Eitempera, die in dünnen Schichten aufgetragen wurde und vollständig durchgetrocknet ist, aufpoliert werden kann. Mit einer Bürste kann eine leichte Verdichtung des Materials bewirkt werden und so entsteht ein matter Glanz, der die Tiefenwirkung verstärkt, aber nicht so stark spiegelt, daß die Sicht beeinträchtigt ist. Ich wüßte zu gern, was Botticelli hier gemacht hat. In jedem Fall müssen Farbe und Untergrund eine andere Beschaffenheit haben als in den vorangegangenen Beispielen. Die Farbflächen wirken auch in der Vergrößerung deutlich homogener. Es sind wenig bis keine einzelnen Striche zu erkennen. Der Farbauftrag erinnert eher an einer Verarbeitung in Öl.

Bemerkenswert im unteren Bild vor allem die ruhige Oberfläche des grünen Tuches, das von der linken Schulter über die Taille, hinter den Rücken zu fließen scheint. Ebenso ist die Wirkung der Haare, trotz Höhungen, sehr viel homogener. Ebenso die Fleischtöne der Hand. Sie zeigen nicht die typischen Charakteristika einer Eitempera.

graufeld


 

 

In diesem Sinne – mit herzlichen Grüßen – tanjamaria.e

Sandro Botticelli, 1445 – 1510, „Pallas und Centaur“ – etwa 1482, Tempera auf Leinwand, Uffizien, CC Lizenz Wikimedia

 


 

The Author

Tanja Maria Ernst is a German-based artist - writes about her work

2 Comments

  1. Das ist wirklich sehr interessant. Ich wusste bis dato auch nicht, dass man Eitempera etwas „aufpolieren“ kann. Danke für diesen Beitrag. Ich werde demnächst mal auf Hinweise darauf achten.

    • Vielen Dank für Deinen Besuch! Falls Du Hinweise findest, gib gern Bescheid :) Ich habe in der Literatur bislang wenig finden können. Allein ein Hinweis auf der Seite eines Restauratoren-Teams… Werde mir doch demnächst das neue Fachbuch über Ei-Tempera zulegen… Davon demnächst mehr – herzliche Grüße t

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