Ausstellungsvorbereitung – die Entdecker

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… die Ausstellung „die Entdecker – oder der künstliche Horizont“, die wir derzeit vorbereiten, beschäftigt sich mit den Lebensgeschichten bedeutender Forscher und Entdecker des 17. bis 19. Jahrhunderts, rund um die napoleonische Epoche. Maria Sybilla Merian, Zeitgenossin des Sonnenkönigs, reiste alleine, nur in Begleitung einer ihrer Töchter nach Surinam, um sich dort dem Studium der Natur zu widmen. Alexander von Humboldt mußte über Jahre seine Reisepläne verschieben, da Europa durch die napoleonischen Kriege im Chaos versank und die Weltmeere durch Seeblockaden unpassierbar waren. Neben den wissenschaftlichen Errungenschaften dieser Menschen, faszinierte mich bereits nach kurzer Zeit die Komplexität der jeweiligen persönlichen Lebensläufe. Die französische Revolution hatte in den Intellektuellen Europas große Hoffnungen geweckt, die sie schließlich in den monströsen Träumen eines einzelnen Menschen versinken sahen. Napoleon soll gesagt haben –  das Leben von einer Million Menschen interessiere ihn nicht die Bohne.

Im Augenblick lese ich die zeitgenössische Bearbeitung des humboldtschen Reiseberichtes von Werner Biermann. Neben der Reise des Forschers zeichnet Biermann ein höchst interessantes Bild der politischen und gesellschaftlichen Lage in Europa und Amerika. Religiöse, politische und wirtschaftliche Flüchtlinge bevölkern die neue Welt. Ebenso wie Glücksritter und Unternehmer, die nichts als schnellen Profit im Sinn haben. Frankreich, Spanien, England und Portugal wetteifern um die Vormachtstellung in Europa mittels ihrer Kolonien. Produktionsstätten, Absatzmärkte und Rohstofflager in einem. Die ursprüngliche Bevölkerung und die afrikanischen Sklaven oft bis aufs Blut ausweidend. Humboldt verbringt unter anderem auch einige Zeit in Kuba, um dort die wirtschaftliche und politische Lage zu studieren. Kuba ist in dieser Zeit bereits vollständig auf die Produktion von Zucker und Baumwolle konzentriert,  sodaß z.B. Fleisch zu völlig überhöhten Preisen importiert werden muß. Das Mengenverhältnis von „freien Bürgern“ zu Sklaven nähert sich bereits einem kritischen Punkt, sodaß Humboldt dringend darauf drängt, die Bedingungen der Leibeigenen zu verbessern. Sonst, so argumentiert er, steure Kuba direkt auf eine Revolution zu. Humboldt kämpft nicht nur für Menschenrechte, sondern ist auch einer der ersten, der wirtschaftliche Entwicklung, Ökologie, Gesellschaft und Natur in einem großen Kontext sieht…

Genau genommen geht es in dieser Ausstellung darum, daß sich Menschen zu allen Zeiten der Komplexität des Lebens nicht entziehen konnten. Fragen wie Moral, Religion, Weltanschauung sind untrennbar mit ihrem Dasein und ihrer Epoche verbunden. Ebenso wie unser heutiges. Letztendlich ist Mut gefordert und sehr viel Weitsicht, die „richtigen Dinge“ zu denken und umzusetzen. Unabhängig von Zeitgeist und landläufiger Meinung. Dabei entkommen weder Humboldt noch Merian, genauso wenig wie wir, dem menschlichen Los, daß das Leben zuletzt ein Versuch ist, ein Entwurf, der in Fehlbarkeit und Irrtum gebunden bleibt.

Die kleinformatigen Arbeiten der Ausstellung beziehen sich auf einen Dokumentationsfilm des Dutch Doku Channels über den Besuch des holländischen Königshauses 1955 in Surinam, ein Jahr, nachdem das Land ein selbst verwalteter Teil der Niederlande wurde.

Buch: http://www.amazon.de/Traum-meines-ganzen-Lebens-amerikanische/dp/3871346012

Film: https://www.youtube.com/watch?v=sAcM93t0T5g


ESKORTE 01

2015 – Eitempera auf Kreidegrund auf Holz – 40 x 61 cm

The Author

Tanja Maria Ernst is a German-based artist - she writes about her work an inspirations.

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