Wiedersehen in Brooklyn …

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oder die Nadel im Heuhaufen

Ihr kennt sicher solche Tage, an denen unglaublich unwahrscheinliche Dinge geschehen. So unwahrscheinlich, daß man geneigt ist, in ihnen mehr als einen simplen Zufall zu erkennen…

Ich bin seit etwa einem Jahr Abbonnent des newsletters von onekingslane. Einer Art sehr eleganter Ikea, mit Niederlassungen in New York und San Francisco. Hier werden nicht nur Möbel und Porzellan als Neuwaren angeboten, sondern es gibt auch eine beachtliche Menge an Kunst und „Vintage“- Produkten, wie man neuzeitlich so sagt.

„Vintage“ bedeutet hier – attraktive Stücke vom Flohmarkt. Von einem findigen Team liebevoll und gewitzt ausgewählt, thematisch und optisch schön aufbereitet und zum Verkauf präsentiert. Diesen Newsletter erhalte ich im Schnitt einmal pro Woche. Und diesem ergeht es wie den meisten anderen. Ich werfe lediglich einen kurzen Blick darauf, bevor ich ihn lösche. Wohin auch mit all den Informationen, die uns jeden Tag per Netz ins Haus flattern?

Letzte Woche nun, bemerke ich zum ersten Mal, daß auf der Seite von onekingslane offensichtlich auch Home Storys veröffentlicht werden. Eine dieser Lieblingsdisziplinen der Amerikaner. Man öffnet sein Heim, einem Fototeam, läßt sich – und die Lieben – vorteilhaft in Pose rücken, vor orientalischen Teppichen, üppigen Pools oder Bergen von Samtkissen auf Polstermöbeln. Sehr oft spielen auch geschmackvolle Gemälde in diesen Berichten eine wichtige Rolle. Und ich weiß nicht, wie oft ich mir in den vergangenen Jahren immer wieder einen Spaß daraus gemacht habe, mir vorzustellen, daß jener Schauspieler oder jener Politiker prominent auf seinem Sofa oder Stühlchen sitzt und das vor einem meiner Bilder. Eine bislang eher lustige Vorstellung.

Wie ich nun ausnahmsweise einen ausführlicheren Blick auf die angefügte Home Story werfe, zieht mich zunächste eine große Bananenstaude vor einer hellen Fensterfront in ihren Bann. Danach die Sessel und das Kuhfell auf dem sie stehen. Wer uns kennt weiß, daß auch wir in unserm trauten Heim, eine gewisse Neigung zu tropischen Pflanzen, Orientteppichen und Kuhfellen haben…

Dann zögere ich, ich stutze. Am linken oberen Bildrand, auf einem wunderschönen alten Spiegel, steht ein Bild. Angeschnitten allerdings vom Bildformat. Man sieht nur etwa die Hälfte. Irgendein Teil meines Gehirns meldet sich spontan und behauptet – ihm käme das merkwürdig vertraut vor. Wir streiten uns kurz und ich frage ihn, wieso mir ein Gemälde im Haus einer angesagten Innenarchitketin in Brooklyn bekannt vorkommen sollte…

Bildschirmfoto 2016-02-11 um 11.06.07

Und dann fällt es mir wieder ein: während meiner ersten Kooperation hier in Stuttgart, veranlaßte meine damalige Galeristin, daß eines meiner Bilder zu einer Ausstellung und Kunstauktion des Design Trust For Public Space gegeben wurde. Einem Verband in New York City, der sich der städtischen Entwicklung und der Gestaltung öffentlicher Plätze widmet. Die Arbeit wurde damals auch prompt versteigert und ich habe nie wieder von dem Gemälde gehört. Bis zu dem Tag, an dem mir der newsletter ins Haus flatterte…

 

Bildschirmfoto 2016-02-11 um 11.07.03

 

Ich vergleiche den Bildteil, der zu sehen ist, mit meinem Original aus dem Jahr 2008 – und tatsächlich. Obwohl nicht vollständig abgebildet, ist doch ein Irrtum kaum möglich. Zehn Minten später schicke ich eine Anfrage nach Brooklyn. Ich erkläre kurz wer ich bin und füge dieses Foto einer meiner ganz frühen Arbeiten an, mit der Frage, ob es sich eventuell um jenes Bild handeln könne. Kurze Zeit später erhalte ich Antwort. Fawn Galli, die Innenarchtiketin und Besitzerin dieses wundervollen Hauses schreibt mir schlicht

„ Yes – that is it – and I love it!!!!“

 

Bildschirmfoto 2016-02-11 um 10.56.51

Wie wahrscheinlich ist denn das nun? Mein eigenes Bild, nach 8 Jahren im Netz wiederzufinden, in einem Newsletter, den ich nur alle paar Monate lese. Und dann auch noch festzustellen, daß die Besitzer das Bild in den letzten acht Jahren nicht etwa in einem Lager verräumt haben?

Manchmal ist es wirklich, wie alte Freunde wiedertreffen, oder die Kinder wiedersehen… Die meisten Arbeiten gehen außer Haus und ich habe keine Ahnung –  wohin. Meist erhält man einen Namen, selten ein Gesicht. Begegnungen finden kaum statt. Umso schöner nun zu wissen: eine Arbeit wohnt in Brooklyn – und sie wird in Ehren gehalten.

– Herzliche Grüße tanjamaria.e

graufeld


der shop –

https://www.onekingslane.com

die Innenarchitektin –

http://www.fawngalli.com

die Home Story –

https://www.onekingslane.com/live-love-home/fawn-galli-home-tour/?utm_source=Content&utm_medium=Email&utm_campaign=93982&utm_content=2/3/2016.12074776.pm&utm_term=Content.Post.1

The Author

Tanja Maria Ernst is a German-based artist - she writes about her work an inspirations.

8 Comments

  1. Iris Schaper says

    Das muss ein schönes Gefühl sein zu merken, dass die Menschen deine Kunst jahrelang anschauen, ohne sich sattzusehen und dass das auch für Leute am anderen Ende der Welt gilt…

    • Liebe Iris, danke Dir für Deinen Besuch! Das stimmt – neben der Malerei an sich ist dies einer der Hauptgründe, warum ich tue, was sich tue ;) Herzl. Grüße Tanja

    • Liebe Sandra, dank Dir fürs Vorbeischauen : ) Ja, die Geschichte ist lustig… wer weiß, wo ich sonst noch hänge, inzwischen !? ; ) liebe Grüße t

  2. Galerie Tristan Lorenz says

    Schöne Geschichte mit Brooklyn…:-) Ist aber auch eine schöne Arbeit wie ich finde.

    So, fahre jetzt in die Galerie. Bis nachher. Meld mich noch einmal

  3. Christine says

    Eine wirklich hübsche Geschichte! Bilder „wollen“ gesehen werden … und nicht in ein Lager geräumt werden.

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